Weil wir alle unter dem selben Wolkenhimmel leben…

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Ich habe es mir nicht ausgesucht in Deutschland geboren zu werden. Ich habe nicht entschieden, hier aufzuwachsen.

Ich hatte wohl einfach Unmengen an Glück. Glück mit meinen liebevollen Eltern, Glück mit dem Frieden in unserem Land.
Jetzt habe ich wieder Glück, denn ich habe vier gesunde Kinder, die ebenfalls in einem Land aufwachsen dürfen, in dem kein Krieg herrscht.

Rückblickend kann ich sagen, das ich an jedem Tag in meinem Leben Glück hatte. Mit einer stabilen Familie, stabilem Frieden, genug zu Essen, mehr Kleidung und materiellen Dingen als ich je brauchen werde.

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Wie jeder Mensch habe ich Ängste. Angst davor, dass das Glück und der Frieden nicht anhalten wird. Das Krankheit, Armut und Krieg meine kleine Lebensblase zum Platzen bringen könnte.

Wenn uns diese Ängste plagen – und ich bin sicher, damit bin ich nicht allein – dann frage ich mich, wieso in unserem behüteten Land so viel Hass, Missgunst und Kaltherzigkeit existiert. Macht einen die Angst denn nicht sensibel, mitfühlend und dankbar?

Sind wir nicht in der Pflicht, zu helfen, wo wir helfen können? Haben wir das Glück des Friedens mehr verdient als andere?

Ich möchte mir bewusst machen – an jedem einzelnen Tag – dass ich zu den glücklichen Menschen gehöre, die ein selbst bestimmtes, behütetes Leben führen dürfen.

Meinen Kindern das ebenfalls bewusst zu machen ist dagegen gar nicht so einfach. Beim Aussortieren von Kleidung und Spielzeug wurde ziemlich schnell klar, dass Teilen nicht zu ihren Stärken gehört. Selbst nach umfangreichen Erklärungen, wie dringend andere Kinder die Sachen brauchen, war die Bereitschaft zu Teilen nicht sehr groß. Alles wurde plötzlich so innig geliebt also genau 5 Minuten. Sicherlich ist es mit 1-6 Jahren noch nicht so einfach, all die Grausamkeiten in der Welt zu begreifen. Vielleicht ist das gut so… Aber wir üben! Und ich werde erklären – jeden Tag – wieviel Glück wir haben.

Aus ihnen sollen umsichtige, dankbare und rücksichtsvolle Erwachsene werden, nicht Menschen, die Flüchtlingen nicht einmal einen sicheren Schlafplatz und etwas zu Essen gönnen.

Darum habe ich mir etwas überlegt. Eine Möglichkeit, Kindern das Teilen ganz einfach zu machen…

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An der Grundschule unseres großen Sohnes wurde nach Eltern gesucht, die eine AG anbieten möchten. Eigentlich bin ich nicht der perfekt organisierte Typ, der sowas aus dem Ärmel schüttelt – aber ich habe etwas zu bieten. Meine Kreativität.

In mir arbeitete es schon eine ganze Weile. Meinen Kindern das Teilen und damit das bereitwillige Helfen derer, denen es nicht so gut geht, näher zu bringen war und ist mir so wahnsinnig wichtig.

Dann kam ein Elternbrief nach Hause, der mir einen tollen Weg zeigte zu helfen.

An den Berliner Grundschulen werden in Kürze sogenannte „Willkommens-Klassen“ gegründet. Klassen, in denen Flüchtlingskinder einen Platz bekommen.

Eine Chance, hier Wurzeln zu schlagen, etwas Normalität und Alltag zu erlangen; Spielen, Lernen, den Kopf nach all dem Furchtbaren mit neuen Erinnerungen füllen können.

Nun versuche ich beides unter einen Hut zu bekommen – die Kreativität und das Teilen lernen, dass mitfühlende Handeln – und da kommt nun auch ihr alle ins Spiel. 🙂

Nach den Herbstferien starte ich zusammen mit meinem Mann eine AG. Wir werden zuerst Stempel schnitzen – aus Kartoffeln und Linoleum. Natürliche Stempel werden wir testen wie Apfelhälften, Handabdrücke usw.

Mit diesen Stempeln werden wir uns Uni-Jerseystoffe vornehmen und diese gestalten. Wir werden mit jedem Kind zwei Sets aus Mütze und Loop aus den bestempelten Stoffen zuschneiden und anschließend gemeinsam zusammennähen.

Ein Set darf jedes Kind natürlich behalten. Das zweite Set ist für ein Kind in den Willkommens-Klassen. Zur Begrüßung, als Zeichen der Verbundenheit – denn keiner von uns hat sich ausgesucht, wo er geboren wird und wie er aufwächst.

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Da die Materialien und dass Mieten der Nähmaschinen Geld benötigen und ich den Kindern keine Kosten auferlegen mag um niemanden auszuschließen, suche ich nach Sponsoren für Stoffe, Stoffmalfarbe, fertige Stempel, ggf. Mietmöglichkeiten für 1-2 Overlockmaschinen. Weil dies in erster Linie Shopbetreiber betrifft habe ich mir noch etwas anderes überlegt.

Ich habe genäht. Okay, dass ist jetzt nichts besonderes, aber ich habe fast drei Tage am Stück genäht. Mit nur kleinen Pausen. Und wenig Schlaf. Und ziemlich fiesen Rückenschmerzen.
Genäht habe ich meine Wolkenkissen – die Wolken-Liebchen.

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Wieviele es in den knapp drei Tagen geworden sind, verrate ich erst, wenn mein kleines Gewinnspiel vorüber ist (in welchen nämlich die genaue Anzahl geschätzt werden muss). Aber ich sage nur so viel: es sind viele. SEHR VIELE!

Ab sofort könnt Ihr die Wolkenkissen in drei Größen und 5 Farben bei uns im Shop kaufen. Pro Kissen werden 10EUR in die AG-Kasse von uns gesteckt um möglichst viele Sets für Flüchtlingskinder fertigen zu können. Sollten wir das Geld nicht aufbrauchen, werden wir damit die Arbeit mit den Flüchtlingskindern an der Schule unterstützen.

Die Kissen bekommt Ihr hier…

Möchtet Ihr uns mit Materialien unterstützen schreibt mir doch eine E-Mail an wille@finic.de – wir freuen uns sehr über Unterstützung!

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Wer auch mal Lust hat, Stoffe selbst zu gestalten findet hier eine kleine Bilderreihe, wie Ihr Eure Stoffe bestempeln könnt:

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Ich wünsche Euch einen behüteten Abend – und ein Leben voller Frieden!

Eure Saskia

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2 Gedanken zu „Weil wir alle unter dem selben Wolkenhimmel leben…

  1. Alle Daumen hoch für diesen Beitrag!!! Nicht, weil du ein tolles Projekt auf die Beine stellst, obwohl du das natürlich tust und auch nicht, weil du versuchst deinen Kindern wichtige Werte zu vermitteln, nein, vor allem, weil ich mich unendlich darüber freue, dass es noch Menschen gibt, die einsehen, dass es einzig und allein Glück ist, dass uns hier dieses Leben beschert. Wir haben unser friedvolles Leben nicht mehr verdient als Menschen, die in Kriegszeiten geboren wurden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass kaum jemand sieht, dass wir ein immenses Glück damit haben in Friedenszeiten und wirtschaftlichem Wohlstand zu leben. Danke dafür, dass du das öffentlich aussprichst!!

  2. Wundervoll geschrieben! Und Du sprichst mir mit Deinen Worten so sehr aus der Seele! Ich hab‘ gerade einen ganz dicken Kloß im Hals… weil ich so gerührt bin.

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